Game Over
Game over
Am 1. April, einem regulären Bandprobedienstag, hatte Drummer Rainer nach dem begrüßenden "Fist Bumb" (dem aus Coronazeiten bekannten Faustgruß) kurz und trocken gesagt: "Ich höre auf".
Was ich akustisch nicht verstand (und als Aprilscherz hätte deuten können), bestätigte er nochmals und fing sofort an, sein Schlagzeug abzubauen. Er hörte bei den Riffpiraten auf. Kein Versuch eines Gesprächs, keine großen Erklärungen, nur die dürre Aussage, er hätte keinen Spaß mehr und würde zuhause seit sechs Wochen kein Instrument mehr anrühren.
Sicher, bereits mit Beginn des vergangenen Jahres 2024 kam Sand ins Getriebe, weil ich Bassist Uwe und Drummer Rainer in die Pflicht nehmen wollte, sich auch etwas um die Belange der Band außerhalb des Musizierens zu kümmern. Nach Gigs Ausschau zu halten, ab und an einen Blogbeitrag zu schreiben, so dass nicht alles an mir hängen blieb, war mein Anliegen. Dazu noch der Wunsch, auch mal außerhalb des Proberaums zusammenzukommen, ein Bier zu trinken und zu reden, über Gott und die Welt. Das war wohl zu viel verlangt.
Die ernste Lage, in der sich unser Piratenschiff befand, beschrieb ich bereits im Blogbeitrag vom 24. August 2024, in eine Piratengeschichte verklausuliert, doch auch das hat nicht viel gebracht, außer dass Isabell auf Uwes Nachfrage den Gig in den Fässla Stubn im Herbst arrangierte.
Fakt ist, dass die Riffpiraten außerhalb des Musizierens so gut wie eine One-Man-Show waren. Für alles war ich zuständig, alles musste ich machen, Spötter würden sagen "durfte" ich machen: Songwriting, Songbooks erstellen, Gigs beschaffen, Merchandise und Bandpräsenz, Werbung, Schriftverkehr, Videos (Ausdenken, Planen, Erstellen, Hochladen), CD-Erstellung, Recording, Postproduction der Songs, Onlinepräsenz, Kontakte herstellen, Books, einfach alles. Und ja, ich habe das gern gemacht, gern an den Sachen herumgebastelt, mich darum gekümmert, auch, weil ich die Nebensächlichkeiten (Comic, Kartenspiel, Jahrbuch) hauptsächlich für mich machte. Da brauchte ich mich nicht zu beschweren. Aber beim Gigbeschaffen sollten sich auch meine anderen beiden Mitmusiker betätigen, weil es da durchaus hakte. Vielleicht habe ich es zu oft angesprochen, versucht darüber zu reden, das kann schon einem auf den Geist gehen, wenn er nur Musik machen und sich um nichts anderes kümmern will. Solange einer dafür sorgt, dass der Wagen läuft, nimmt man das gern als Selbstverständlichkeit hin. Wenn man einen hat, der sich um alles kümmert, wird es erst problematisch, wenn der die Fakten auf den Tisch legt und um Mitarbeit bittet.
Ich hatte mich im letzten Jahr öfters gefragt, wie lange ich das noch machen will, wenn ich Dinge anspreche, die unrund laufen und sich schließlich doch nichts ändert. Die Konsequenz war, dass ich kürzer trat, keine Blogeinträge mehr schrieb (was gab es auch zu schreiben?), mich nicht mehr um Gigs bemühte, außer dem Gig beim RSC. Wo das hinführte, sieht man. Um frischen Wind in das Musiktrio zu bringen, stieß ich ein musikalisches Nebenprojekt an, das völlig andere Musik machen sollte als es die Riffpiraten taten. Rainer und Uwe waren Feuer und Flamme, doch wieder blieb die ganze Sache an mir hängen. Egal, wenn es half, wieder auf Musikkurs zu kommen...
Im März 2025 war die Stimmung gereizt, es wurde diskutiert und mir kam es vor, als hätte Rainer auf dem Planeten keine Freunde mehr (so wie er sprach) und offensichtlich gehörten Uwe und ich nun ebenfalls zu diesen Nicht-mehr-Freunden. Ich kann mich da durchaus täuschen, so kommt es mir jedenfalls vor.
Nach seinem Ausstieg am Aprilscherztag bot ich Rainer ein klärendes Gespräch bei einem Bier an, wir sollten die Probleme beim Namen nennen, auch wenn es mich, oder kaum vorstellbar Uwe, als Grund seines Rückzugs betraf. Was konnten wir unternehmen, dass er wieder Spaß mit der Band hatte? Er blockte ab und ließ sich nicht darauf ein, ehrlich über seinen Ausstieg zu sprechen.
Okay, unterstellen wir mal, dass Rainer keinen Spaß mehr mit der Band hatte. Dann stellt sich mir die Frage, ob ich den Pausenclown spielen muss, damit er Spaß hat? Oder ist er nicht auch selbst ein bisschen mit in der Pflicht, für den gemeinschaftlichen Spaß in der Band zu sorgen? Da spricht jemand von fehlendem Spaß, der seinerseits zum Spaß nichts beigetragen hat. Warum haben wir uns nie auf ein Bier getroffen, wie ich immer vorschlug, am Main, auf einer Parkbank am Kreuzberg oder sonstwo? Warum sind wir nie eine Pizza essen gegangen, wie wir drei eigentlich wollten? Warum hat es außer den drei Stunden im Proberaum alle zwei Wochen nie für für einen privaten und unter Freunden üblichen Kontakt gereicht? Warum ist Rainer als Fan des 1.FCN nie auf meinen Vorschlag eingegangen, zu einem Heimspiel nach Nürnberg zu fahren? Uwe, der Nichtsportler und Fußballignorant wäre dafür sogar über seinen Schatten gesprungen und auch ich, der Fußball nicht leiden kann, hätte beim Drei-Männer-Ausflug sicher Vergnügen gehabt. Warum wollte Rainer nicht mit Uwe und mir zu einem Rockkonzert in den Hirsch nach Nürnberg fahren, zu Wolfmother oder Michael Schenker in diesem Jahr, obwohl er öfters im Jahr zu Konzerten/Festivals geht, aber halt nicht mit uns? Ich weiß es nicht und will es auch nicht vermuten. Fakt ist, außer Proberaum und Gigs gab es mit Rainer keinerlei Aktivitäten. Uwe, der auch mein Brettspiel-Buddy ist, schlug sogar mal vor, er könnte bei einem unserer Brettspiele mitmachen. Die Reaktion war klar: Nein. Es gibt Leute, die würden Rainer als Spaßbremse bezeichnen. Doch Uwe und ich wären weirerhin damit klargekommen, weil es einfach toll war, mit Rainer an den Drums Musik zu machen. Musik stand ganz klar im Vordergrund. Warum dann gerade er auf fehlenden Spaß macht, bleibt mir ein Rätsel.
Rainers Nichtbeteiligung setzte sich auch im "Nicht-Spaßbereich fort". Hat Uwe mir geholfen, die Flyers für den Gig in Pauls Rockkneipe in der Bamberger Innenstadt auszutragen, geholfen, die 400 Flugblätter vor dem Jubiläumsgig im Saal der Brauerei Wagner in die Briefkästen einzuwerfen, geholfen, die Plakate vor dem Gig beim RSC aufzuhängen und an seinem Wohnort Flyer auszulegen, kam von Rainer keine Unterstützung. Rainer trommelte eben.
Klar, dass die Gedanken bei der momentan vorherrschenden Frustration dunkler sind als gewohnt. Lassen wir das Jahr 2024 außen vor, hat die Zeit mit den Riffpiraten einfach nur saumäßig viel Spaß gemacht. Es werden immer die schönen Momente überwiegen und es wird sich nichts daran ändern, dass ich gerne mit Rainer und Uwe zusammengespielt habe. Rainer ist nicht nur ein großartiger Drummer, sondern hat auch ein großes Musikverständnis, ist für neuzeitige Musik aufgeschlossen und liebt auch das Alte. Von daher bin ich für die Riffpiratenzeit einfach nur dankbar: Dankbar dafür, dass im Herbst 2018 mein Arbeitskollege Stephan den Ball ins Rollen brachte und wir beim ersten Gitarrenklimpern glaubten, da könne man etwas daraus machen. Ich bin dankbar für Uwes Entschlossenheit, als Nichtmusiker den Bass in der Band alter Männer zu übernehmen. Ich bin dankbar dafür, dass Rainer nach dem Ausstieg von Roman die Drums übernahm und so den Grundstein für eine anhörbare Lokalband legte. Ich bin dankbar für das Feedback auf unseren Gigs und den Zuspruch von den vielen Zuhöreren, die uns nicht kannten und von unseren Songs angetan waren. Die Gespräche mit diesen Menschen, ob jung oder alt, zeigten uns, dass wir da was Tolles machten und die Leute gut unterhielten. Ich bin auch dankbar für die viele Unterstützung aus unseren Familienkreisen, allen voran Isabell, Hilde, Tobias, Jörg und Martina, Yvonne, Björn und Silvia. Dankbar auch für all unsere Instagram-Follower, die mit ihren Likes ihre Symphatie zum Ausdruck brachten. Das wird bleiben und den Riffpiratenniedergang immer positiv überschatten.
Die Riffpiraten nach dem Ausstieg von Rainer aufzulösen, ist eine logische Konsequenz. Die Riffpiraten waren Uwe, Rainer und ich. Mit einem neuen Drummer weiterzumachen, vielleicht einen weiteren Gitarristen hinzuzunehmen, sehe ich als schwierig und problematisch. Die Songs sind auf uns zugeschnitten, auf "Alte Männer" eben und auf unseren Plakaten und der CD sind es Uwe, Rainer und ich. Mit Anfängern weiterzumachen kommt nach den vergangenen, erfolgreichen Jahren der Riffpiraten nicht in die Tüte. Das will ich mir nicht antun. Bleiben wird unsere Homepage, unser Youtube-Kanal und die Songs auf Soundcloud, für alle, die sich später einmal informieren wollen, was wir so alles machten. Sollte es überraschend doch eine Folgeband geben, wird sie nicht Riffpiraten heißen, könnte aber durchaus Riffpiratenlieder spielen, sind ja immerhin meine Songs.
Ich selbst werde musikalisch das wieder aufnehmen, was ich 30 Jahre lang schon vor den Riffpiraten machte: Ich konzentriere mich auf meine eigenen Songs und aufs Homerecording (alte Aufnahmen siehe https://soundcloud.com/user-891433893; https://www.youtube.com/@MrPhilmaik). Dazu habe ich bereits im Januar 2024 ein neues Musikprojekt angelegt, welches sich "Flamekant" nennt. Auf Soundcloud.com sind drei meiner alten Songs zu hören, die ich als "Anfang" hochgestellt habe. Die Homepage flamekant.jimdosite.com ist noch sporadisch und wird mit der Zeit wachsen und aktualisiert werden. Instagram: flame.kant. Mit Flamekant wird es neue Songs und Musikvideos von mir geben. Langweilig wird mir sicher nicht. Ob dann noch wer mitmacht, steht in den Sternen (Rainer wirds mit Sicherheit nicht sein).
Schöne Grüße an alle, die diese Zeilen lesen und die uns Riffpiraten auf unserer musikalischen Reise begleiteten. Habt viel Spaß an der Musik, die Euch gefällt und haltet die Ohren steif.
Salut!
Bernd, Bandleader der Riffpiraten